18. Februar 2018

Die Welt unterwasser fasziniert. Schon immer. Bereits zu frühestens Zeiten wollte der Mensch wissen, was sich unter der schillernden Oberfläche von Meeren, Flüssen und Seen findet. Nicht nur, weil es dort reichlich Nahrung gab. Nur wenige Zentimeter von der gewohnten Erlebniswelt schien sich ein ganz neuer Kosmos zu offenbaren: Fremdartige Lebewesen, ungewohnte Stille und das Gefühl einer Art Schwerelosigkeit, wie sie nirgends anders zu finden war.

Geschichte der Unterwasserfotografie

Das Mysterium Wasser war umso geheimnisvoller, da menschliche Sinneswahrnehmungen unterwasser nur sehr eingeschränkt funktionieren. Wasser fühlt sich anders an als Luft. Auch Schall wird gedämpfter und undifferenzierter wahrgenommen. Aber – und damit kommen wir endlich zur Fotografie – vor allem ist das menschliche Auge kaum darauf eingestellt, im Wasser etwas sehen zu können. Wie groß muss die Überraschung gewesen sein, als die ersten Menschen mit Hilfe von Schlitzbrillen und anderer primitiver Sehhilfen zum ersten Mal einen Eindruck von den nassen Naturwundern gewinnen konnten, die sich über Jahrmillionen entwickelt hatten und der Menschheit so lange verborgen geblieben waren.

Unterwasserfotografe befassen sich nicht nur mit der marinen Natur. Häufig setzen sie sich auf mit den Einflüssen des Menschen auseinander.

Der Zufall der Geschichte will es, dass die Entwicklung der Fotografie fast gleichzeitig mit der Entstehung der ersten Tauchgeräte fiel. So ließ auch die erste Unterwasserfotografie nicht lange auf sich warten. Bereits 1846 wurde sie in Weymouth, UK in 3 Faden (ca. 5,5 m) Tiefe von William Thompson (1822 – 1879) aufgenommen. Dabei war die Kamera nicht viel mehr als ein Lochapparat in einer wasserdichten Kiste, die man auf den Meeresgrund herabgelassen hatte. Der Fotograf blieb trockenen Fußes auf einem Boot.

Das erste transportablen Gehäuse für (damals noch Helm-)Taucher erfanden Louis Boutan und Joseph David im Sommer 1893 im französischen Banyuls-sur-Mer. Noch heute betitelt der Verband deutscher Sporttaucher (VDST) seine Foto- und Videowettbewerbe als „Kamera Louis Boutan“, und ehrt ihn damit – wenn auch historisch nicht ganz korrekt – als Erfinder der Unterwasserfotografie.

Statur Jaques Yves Cousteau
Überall auf der Welt werden die Pioniere des Tauchens heute noch geehrt. So wie hier Jaques Yves Cousteau in La Paz, Mexiko. Nicht ohne Zufall wird er hier mit Unterwasserkamera dargestellt.

Einen enormen Fortschritt machte die Unterwasser-Fotografie spätestens mit der Erfindung der Aqualunge durch den französischen Marine Offizier Jaques Yves Cousteau und seinem Partner Émile Gagnan . Mit einem Mal wurde der Taucher unterwasser beweglich. Cousteau war vom ersten Moment seines taucherischen Lebens davon besessen, seinen Mitmenschen von seinen Erlebnissen unterwasser nicht nur zu berichten, sondern ihnen auch möglichst viel davon zu zeigen.

So lag es nahe, dass der passionierte Erfinder eine Apparatur (weiter-)entwickelte, mit der er seine Kameras nicht nur wasserdicht verpacken, sondern unterwasser auch bedienen und transportieren konnte. Der Erfolg insbesondere, aber nicht nur bei bewegten Bildern sollte ihm Recht geben. Seine Filme lockten fast genauso viele Zuschauer in die Kinos und vor die Fernseher wie die seinerzeit genauso neuartigen Berichte über die Raumfahrt.

Ich besitze eine kleine Sammlung alter Bücher und Bildbände von Cousteau und anderen Unterwasserfotografen der ersten Jahre. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, zu welch hervorragenden Ergebnisse die Pioniere damals schon gekommen sind. Dabei waren die technischen Herausforderungen seinerzeit um so vieles komplizierter als wir es heute mit unserer digitalen Technik uns auch nur im entferntesten vorstellen können.

Trotzdem schafften es Cousteau, Hans Haas und viele andere, die Unterwasserfotografie weit über einen rein dokumentarischen Aspekt hinaus zu entwickeln. Bereits in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts waren ästhetische Ansprüche deutlich zu erkennen und die Fotografie entwickelte sich auch im Wasser zu einer eigenständigen Kultur- und Kunstform. Auch entdeckte das Marketing Unterwassermotive für ihre Zwecke. So kam es, dass die ersten freien Fotografen bald von ihrer Arbeit haben leben können. Ebenso wurde die Fähigkeit, Gesehenes fotografisch zu dokumentieren, ein wichtiger Teil der entdeckenden Wissenschaften.

Zukunft der Unterwasserfotografie

Die digitale Revolution der Fotografie Anfang der Achtziger Jahre krempelte die Unterwasserfotografie in nahezu atemberaubender Geschwindigkeit um. Sie wurde in gewisser Weise massentauglich. Die Hersteller von wasserfesten Gehäusen produzierten in immer größeren Stückzahlen. Selbst große, internationale Kamerahersteller entdecken die tauchenden Fotografen als kleinen, aber stetig wachsenden Markt. Es brauchte nicht lange, bis die großen Tauchorganisationen eigene Abteilungen für Unterwasserfotografie ins Leben riefen. In einigen Ländern siedelten sich Gruppen und Vereine in Sportverbänden an, in anderen verstanden sie sich als freie Künstler oder Journalisten.  Zur gleicher Zeit stieg die Nachfrage an hochwertigen Aufnahmen aus den Meeren und Flüssen für Magazine, Werbung und Medien.

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